Roman
Aleks ist aus der Ukraine geflohen. Er sucht Schutz, aber er bringt mehr mit nach Deutschland als die Bilder des Krieges. Auf seiner Flucht wurde er in Polen von zwei Landsmännern überfallen. Als die Situation eskalierte, verteidigte er sich mit einem Messer. Der ältere Angreifer starb, der jüngere wurde möglicherweise schwer verletzt. Ob Aleks tatsächlich nur aus Notwehr gehandelt hat, bleibt für andere schwer zu beurteilen – für ihn selbst aber wird dieser Moment zur inneren Grenze seines neuen Lebens.
In Deutschland begegnet er Katarina. Zwischen beiden entsteht eine vorsichtige, zärtliche Liebesgeschichte. Katarina sieht in Aleks nicht den Flüchtling, nicht den Fremden, nicht den Mann mit einer undurchsichtigen Vergangenheit, sondern einen Menschen, dem sie nahe sein möchte. Ihre Mutter Maria aber reagiert mit wachsender Unruhe. Sie fürchtet um ihre Tochter. Nicht aus offener Ablehnung, sondern aus der Ahnung heraus, dass Aleks etwas verschweigt und dass eine Liebe, die auf unausgesprochenem Schmerz gründet, gefährlich werden kann.
Marias Sorge führt sie zu ihrer eigenen Mutter Luisa. Luisa ist fast hundert Jahre alt. Als junges Mädchen floh sie am Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ostpreußen. Jahrzehntelang hat sie ihre Geschichte als Geschichte von Verlust, Hunger, Angst, Vertreibung und Überleben erzählt. Doch nun, im Gespräch mit ihrer Tochter, verschieben sich die Erinnerungen. Einzelne Bilder treten hervor, andere zerfallen. Was immer eine eindeutige Opfergeschichte gewesen war, bekommt Risse.
Luisa beginnt zu erkennen, dass ihre Vergangenheit nicht nur aus erlittenem Leid bestand. Es gab Momente des Wegsehens, der Anpassung, des Schweigens und vielleicht auch der Schuld. Was sie ein Leben lang verdrängt hatte, kehrt im hohen Alter zurück. Ihre Erzählung verändert Marias Blick auf Aleks. Nicht, weil die Flucht aus Ostpreußen und die Flucht aus der Ukraine gleich wären, sondern weil beide Geschichten dieselbe unbequeme Frage stellen:
Was macht Gewalt aus einem Menschen – und wie lebt man weiter, wenn Überleben selbst Schuld hinterlassen kann?
Verschlossenes Herz erzählt von einer Liebe in der Gegenwart und von einer Familiengeschichte, die erst durch diese Liebe aufbricht. Der Roman verbindet zwei Fluchtbewegungen, ohne sie gleichzusetzen. Er fragt, wie Erinnerung entsteht, wie sie sich unter dem Druck von Trauma verändert und warum Menschen sich oft erst am Ende ihres Lebens der Wahrheit annähern können, die sie jahrzehntelang vermieden haben.
Dieser Roman ist noch nicht erschienen. Veröffentlichungsdatum, Preis und Bezugsmöglichkeiten werden hier bekanntgegeben, sobald sie feststehen.